Faschingsumzug an der Playa de Muro

Nach der coronabedingten Auszeit im vergangenen Jahr konnte in diesem Februar endlich wieder eine bunte Truppe der RSG die Faschingstage in spanischen Gefilden verbringen.
Durch eine Flugabsage und diverse Covid-Erkrankungen im Vorfeld gab es eine gewisse Grundnervosität, aber alle Erkrankten wurden rechtzeitig fit, ein Alternativflug konnte gebucht werden und nach Erledigung aller Ein- und Ausreiseformalitäten hob der Flieger am Freitg Abend vom Baden Airpark in Richtung El Arenal ab.

Nach der Landung um Mitternacht mussten wir feststellen, dass dort leider nichts mehr ist, wie es einmal war: Megapark dauerhaft geschlossen, Bierkönig saisonal zu, Sangriaeimer und Stohhalme verboten – diese Erkenntnis war bitter, vor allem, da wir einen künftigen Ehemann und einen werdenden Opa in der Truppe hatten, die nun alle Pläne über Bord werfen mussten ;-)

Im Hotel “El Cid”, nur einen Steinwurf vom Flughafen entfernt, verbrachten wir die ersten beiden Nächte. Dem Hotel angegliedert ist der Radverleih von Berner, dort wurden unsere bestellten Räder mit perfekt eingestellten Maßen und Namensschildern bereit gehalten. Timo Berner, ehemaliger Cyclocross-Profi, hatte alles sehr gut vorbereitet. Es gab Räder in allen notwendigen Preis- und Ausstattungsvarianten, sogar die ganz neue Ultegra-Di2-12fach war möglich. Preislich gab es nichts auszusetzen, bei Buchung von Rad und Hotel über Berner gibt es jeweils Rabatt, was insgesamt ein wirklich bemerkenswertes Angebot war. Nur über den Reifendruck gab es Meinungsdifferenzen von ca. 3-4 bar….

Die erste Radtour führte uns durch Palma über den Col de Sa Creu in Richtung Andratx, über den Col de Galilea, den Penyal de Grau und die Stichstraße hinunter zur Küste nach Port de Calonge zurück nach Ca´n Pastilla. Zur allgemeinen Überraschung wartete bei Abfahrt morgens unser U23-Bundesligafahrer Leon Uhrig, der sich auch zum Training auf der Insel aufhielt, vor dem Hotel, um die Runde mit uns zu drehen. Leider gab es schon am ersten Tag bei der Abfahrt nach Port de Calonge (trotz der schlechten Straße ein Geheimtipp!!!) den ersten und zum Glück einzigen Bodenkontakt. Nach dem langen Winter wäre für den einen oder anderen ein Fahrsicherheitstraining ratsam gewesen.

Normalerweise stehen bei solchen Gruppenausfahrten die Kameradschaft und der sportliche Aspekt im Vordergrund. In dieser Gruppe jedoch ging es mehr um psychologische Kriegsführung, Trash Talk (“Du hast zugelegt über den Winter, oder?” – “Für Gruppe 2 könnte es reichen.” – “Was sagen Tierschützer zu dem Pelz an deinen Beinen?”) und Gruppenzwang in Form von Zielbier-Konsum. Kurzum, die Stimmung war vom ersten Tag an prächtig, auch wenn die Leistungsfähigkeit der Fahrer doch recht weit auseinander lag.

An Tag Zwei musste die Hauptgruppe die Insel mit dem Rad in Richtung Playa de Muro durchqueren. Das Gepäck und zwei Räder wurden zuvor in ein angemietetes Auto verladen, in dem die ersten beiden Opfer des Vortags zu Werke gingen. Am Südanstieg zum Santuari de Cura (Puig de Randa) trafen sich wieder alle und nahmen den legendären Berg unter die Reifen. Der Südanstieg von Llucmajor ist deutlich weniger bekannt als die “Rennstrecke” von Randa aus, so dass wir erst im letzten Abschnitt den typischen Wahnsinn des von Rennradfahrern übervölkerten Kultanstiegs mitmachen mussten.

Weiter ging es über den Puig de San Salvador nach Petra, von dort über das “kleine Wellblech” zum Grupotel Maritimo an der Playa de Muro.

In diesem Hotel erwartete uns nicht nur unser Vereinsmitglied Don Elmex, auch der BDR war dort mit zahlreichen Jugendmannschaften zum Training untergebracht. Räder und Radfahrer, wohin man blickte! Erfreulicherweise waren auch hier die Zimmer großzügig, das Personal freundlich, die Preise niedrig und das Essen gut. Eine klare Empfehlung!

Sowohl an der Playa de Muro als auch in Alcudia herrschte noch tieftste Nebensaison. Außer zwei, drei Hotels und einem Supermarkt war noch alles geschlossen. Das bedeutete wenig Autoverkehr, aber die Hürzeler-Fraktion war bereits in großer Zahl unterwegs. Die Radsportler hatten diesen Teil der Insel fest im Griff.

Am dritten Tag sollte es etwas kürzer und lockerer zugehen. Die Ermita de Victoria (Stichstraße von Alcudia; Geheimtipp) und das Cap de Formentor standen auf dem Programm. Glücklicherweise war die Straße zum Cap ab dem letzten Drittel für den Autoverkehr gesperrt, so dass es ein wahrer Genuss war, dort zu radeln. In Pollenca gab es dann einen kleinen Imbiss, bevor sich eine Gruppe aufmachte noch ein paar Kilometer dranzuhängen, um mindestens 100 vollzumachen.WhatsApp Image 2022-02-28 at 17.20.33

An Tag Vier ließen dann bei dem einen oder anderen die Kräfte nach. Es ging nach Arta und von dort zur Ermita de Betlem, die nicht mehr vollzählig erreicht wurde. Eigentlich schade, denn diese Strecke gehört zu den landschaftlichen Highlights, ist recht wenig befahren und steigt einigermaßen moderat an. Der Rückweg führte über Petra zurück an die Playa de Muro.

Tag Fünf, Königsetappe: Die Aussicht auf das Tramuntana-Gebirge ließ die Kleidungsfrage aufkommen. Lieber luftig oder wie der bekannte chinesische Pianist……. Lang Lang? Egal, alles kann, nichts muss…. Über den Cami Vell de Pollenca ging es nach Campanet, weiter nach Caimari, dort begann der Anstieg zum Col de Sa Batalla. An der Tankstelle wurde gewartet, es gab Tuk-Kekse und Getränke, bevor das absolute Highlight, die Straße hinunter nach Sa Calobra und wieder hinauf, zu bewältigen war. Einige aus der Gruppe kannten diese einzigartige Strecke noch nicht und waren mehr als begeistert. Auf der Strecke kam uns unser ehemaliger Juniorenfahrer Adrian Götz entgegen, der mit seinem neuen Team trainierte.

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Die Wetterprognosen für die letzten beiden Tagen wurden schlechter, was sich zum Glück nicht bewahrheitete. Während eine Gruppe Unkaputtbarer noch eine größere Runde über den Puig d´Inca und die Ermita de Bonany bei Petra drehte (beides sehr schön zu fahrende Anstiege, die etwas abseits der allgemein bekannten Rennstrecken liegen), legten andere bereits nach wenigen Kilometern die Beine hoch und bereiteten sich mental auf die Heimreise am folgenden Tag vor.

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Der Heimflug ging erst am Abend, so dass es für den letzten Tag verschiedene Optionen gab. Die Leute von Berner-Bikes boten uns an die Räder im Hotel abzuholen. Schrotti und der Kärcher wollten es sich nochmal geben und über Alaro, Orient  und den Col de Honor einen weiteren Ü-100 machen. Der Rest musste sich aufteilen, da nur fünf Personen in das Dienstfahrzeug passten. Zwei Zugfahrer lösten das Problem. In Palma bzw. am Flughafen wollten sich die einzelnen Grüppchen wieder zusammenfinden. Nach einer Runde Kunst und Kultur (also einem letzten ausgiebigen Mittagessen mit landestypischen Speisen und Getränken) kamen wir in Palmas Altstadt an einer Eisdiele vorbei. Dies sollte für einige ein weiterer Höhepunkt der Reise werden. Wer dabei war, wird sich noch eine Weile an die glutäugige Eisverkäuferin erinnern und an eine Handvoll Männer, die normalerweise ein paar Brocken Spanisch können, nun aber außer einem gestammelten “Helado” kaum in der Lage waren ihre Bestellung aufzugeben und andere, sonst kein spanisches Wort sprechend, die plötzlich fast fließend Konversation betrieben, um möglichst lange am Verkaufstresen stehen zu können…..

 

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